Die Ebene des Materials einer Fotografie

Liebe Freunde der schöneren Fotografie,

wir werden uns schnell einig:

Eine Fotografie wird schon lange nicht mehr dadurch gekennzeichnet, dass sie ausgedruckt oder entwickelt auf einem Stückpapier vor uns liegt.

Eine zeitgenössische Fotografie ist heute genauso schnelllebig, kurzlebig und vergänglich, wie jeder andere alltägliche Moment des alltäglichen Lebens, dass auch nichts besonders Bewahrens wertes enthält. Zeitgenössische Fotografie ist der Versuch eine aneinander Reihung von Nichtigkeiten und austauschbaren Momenten ähnlich wie beim Fast Food als besonders „gesund“ und nachhaltig zu deklarieren. Deshalb zeigen wir unsere nicht Bewahrens werten Momente, in einem nie endenden Zeitstrahl auf Bildschirmen und reihen die Bilder ein, in eine nie endende Flut von anderen unwichtigen, schnöden und trivialen Momenten des Lebens, welche uns selbst letztlich völlig egal und austauschbar sind.

Diese schwemme und ihre beliebige bedeutungslose Austauschbarkeit sind das Markenzeichen der zeitgenössischen und modernen Fotografie.

Darüber hinaus und unabhängig vom Kameramodel und dessen ausgewähltes Objektives, ist eine Fotografie grundsätzlich in ihrem Blick beschränkt. Selbst das Fotopapier und der genutzte Bildschirm haben eine Beschränkung noch oben und unten, sowie von links nach rechts. Die Dimension des gewählten Bildausschnitts verändert sich niemals. Hinzukommt, dass eine Fotografie grundsätzlich statisch ist, sie ist flach und sie ist nicht in der Lage die Reale dreidimensionale Fläche darzustellen.

In einem Punkt werden wir uns jedoch einig:

Eine Fotografie ist in seiner Wirkung vollends abhängig von der Wahl ihrer Veröffentlichung.

Denn auf Instagram, Facebook, WhatsApp oder Telegram wirkt eine Fotografie anders als in einer Zeitung, einem Magazin, in einem Museum oder in einer Galerie.

Die Auswahl der Veröffentlichung

Die Auswahl Veröffentlichung und des damit verbundenen Informationsträgers, um eine Fotografie zu zeigen entscheidet wesentlich über die Wirkung einer Fotografie. Dabei werden die Grenzen des Informationsträgers über die materiellen, chemischen, physikalischen und elektronischen Eigenschaften geprägt. Wir nehmen ein und dieselbe Fotografie auf einem großen Bildschirm anders wahr, als auf einem Bildschirm des Smartphones oder als gerahmter Print aufgehängt an einer Wand. Als erschwerend kommt hinzu, dass wir sehr individuelle Vorstellungen von idealen Bildschirmeinstellungen haben, welche sich von den Erwartungen an Prints sehr stark unterscheiden können.
Allen gemeinsam ist jedoch ihre Bildgrenze. Schließlich hat das gesehene Bild irgendwo ein Anfang und ein Ende, ein oben und ein unten.

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