Liebe Freunde der schöneren Fotografie,
habt ihr auch schon von dem Wundermittel „Selbstbewusstsein“ gehört? Meist scheint es am Verkaufstresen gerade aus zu sein, wenn man etwas von diesem heißen Zeug haben möchte.
Ich selbst bin viele Jahre durch diese Welt gelaufen, ohne dieses ominöse und degoutante Selbstbewusstsein. Ich wusste lange nicht, wo es zu finden ist. Ich muss es vor langer Zeit irgendwo abgestellt haben, unten im Keller bei all dem anderen Müll, den ich nicht mehr brauchte.
Wenn du allerdings als Fotograf überleben möchtest, dann benötigst du gerade dieses selten gratis zu habendem Selbstbewusstsein.
Du entschließt dich in den Keller zu gehen und es endlich zu suchen. Nach Wochen und Monaten der Entrümpelung findest du dann einen gatschigen, zerknüllten und klapperigen Karton. Er enthält so etwas wie einen Schatz. Das innere glänzt seidig und fühlt sich gut an. Du hast es endlich gefunden, dein Selbstbewusst sein. Schnell wird dir klar, dass es nicht im Keller bleiben kann. Schließlich wohnst du nicht in diesem Kellerloch, sondern oben im 3.Stock. Du packst also fest zu und versuchst diesen Karton mit nach oben zu zerren. Irgendwie stellt sich jedoch heraus, dass dieser Karton schwerer ist als er aussieht, er lässt sich nicht heben, schieben, drücken oder ziehen. Dieser blöde Karton ist schwerer als irgendetwas anderes auf dieser Welt. Außerdem stellst du fest, dass jeglicher Versuch, diesen Karton zu bewegen, dazu führt, dass sich der Inhalt entweder verflüchtigt oder zerbricht, ohne dass er wesentlich leichter wird. Nach langer Überlegung gehst du nach oben und kehrst mit einem Eimer zurück. Anschließend schöpfst du 5 Liter kostbares Selbstbewusstsein, um diese 5 Liter endlich nach oben zu bringen. Du bemerkst, wie mit jeder erklommenen Treppenstufe, der kostbare Inhalt deines Eimers schwindet, gar verflüchtigt. Im dritten Stock angekommen, ist nur noch ein kleiner Rest übrig. Du stellst fest, dass dir dieser jämmerliche kleine Rest nun wirklich nicht weiterhilft. Es reicht nicht mal zum Vorzeigen.
Warum sollte man also diesen blöden Schatz im Keller heben wollen? Wofür all die Mühe? Es ging doch ohne bisher auch ganz gut.
Leider läuft es mit dem Selbstbewusstsein nicht so einfach
Das mit dem Selbstbewusst sein, scheint anders zu laufen. Es hat etwas mit der Komfortzone in deinem Leben zu tun und mit Bequemlichkeit. Selbstbewusstsein gibt es nicht bei Amazon auf Bestellung, wir erhalten es nicht beim Schlachter an der Theke und niemand fragt uns: „Darf es noch etwas mehr sein?“. Selbst der Erwerb eines neuen Smartphones, ein vorzeigbarer Lebenspartner oder der Kauf eines neuen Autos oder Hauses haben zur Folge, dass sich das Selbstbewusst sein steigert. Sämtliche versuche mit den Freunden, dem Lebenspartner, der Familie endlich dieses Selbstbewusstsein aus dem Keller nach oben zu holen, sind zum Scheitern verurteilt. Das Scheitern beginnt, wenn die Selbstzweifel einsetzen, die dich des Nachts besuchen und erst an dir ganz leicht knabbern, um dich letztlich völlig auszuweiden.
Ich kenne nicht wenige Fotografen, welche dann in die sozialen Netzwerke flüchten, um endlich ihr Selbstbewusstsein zu fördern. Zu Beginn scheint dies auch gut zu funktionieren, aber es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich dieses neue Selbstbewusst sein schneller verflüchtigt, als dass es nachgefüllt werden kann.
Am Ende bleibt dir nichts anderes übrig, als in den Keller zu gehen und dieses ominöse Selbstbewusst sein, ganz allein nach oben in die Wohnung zu bringen. Das wirklich böse und hinterhältige an dieser Sache ist, du musst es täglich von neuem nach oben bringen. Viel zu oft kommt oben nämlich immer zu wenig an. Ich verspreche dir, dir werden die Knie wehtun, du wirst Rücken haben und es ist anstrengend, es tut weh und macht müde. Nach einer Weile täglicher Anstrengung wirst du jedoch erstaunt feststellen, eigentlich ist auf einmal sehr viel mehr Selbstbewusstsein da oben. Nicht mehr lange und du kannst damit richtig etwas anfangen!
Was machen selbstbewusste Fotografen anders?
- Sie sind verlässliche Partner.
Sie fokussieren ihre Aufgabenstellung und ziehen anschließend durch. Sie sind wie ein Fels in der Brandung. Sie lenken sich nicht unnötig ab, sondern kümmern sich. Kein Auftrag dieser Welt ist ihnen zu komplex oder zu schwierig. Sie behalten die Ruhe und Übersicht, damit sie am Ende liefern können. - Sie verstecken sich nicht in ihrer Komfortzone
Fotografen neigen zu oft dazu, sich auf ein kleines Fachgebiet zu stark zu spezialisieren. Es gibt zwar Sicherheit und ab einem gewissen Grad genug Automatismus. Auf Dauer schrumpft jedoch der kreative Muskel, denn er wurde nicht trainiert. Es kommt zu Anpassungsschwierigkeiten, wenn sich der Markt ändert. Alles was bis dahin nicht trainiert wurde, bildet sich mit der Zeit zurück und verkümmert. Die Folge: Der Fotograf wird eine Miniaturausgabe seiner eigenen Möglichkeiten. Die Komfortzone des Fotografen wurde auf diese Weise zu seinem Friedhof, auf dem er vergessen wird. Selbstbewusste Fotografen fotografieren wirklich alles! Sie haben keine Angst Kunden zu verlieren, weil sie anders fotografieren. Denn sie wissen, dass neue Kunden kommen werden. Natürlich hat ein selbstbewusster Fotograf auch Ängste. Er lässt sich jedoch nicht von ihnen in seiner Komfortzone einsperren, um wie in einem Laufgitter fröhlich den kleinen Fotografen zu spielen. Sie tun, was getan werden muss! - Sie suchen nicht nach Ausreden!
Selbstbewusst Fotografen belügen weder sich selbst noch andere mit billigen oder anderweitigen Ausreden. Sie geben die Schuld, für ihr eigens Versagen weder dem Wetter, der Kamera, dem Bildschirm, dem Computer, dem Modell oder dem morgendlichen Kaffee. Weder der Verkehr, der gute oder der böse Gott, noch die Erziehung, auch nicht die Chemtrails im Garten oder der verstorbene Hamster tragen die Schuld am Versagen des Fotografen.
Selbstbewusste Fotografen machen sich nicht zum Opfer von irgendetwas.
Sie übernehmen gerne Verantwortung. Ihnen fällt es nicht schwer aus gemachten Fehlern zu lernen, mit dem Ziel sich zu verbessern. Einem selbstbewussten Fotografen fällt es somit auch nicht schwer sich aufrichtig und glaubhaft für einen von ihnen gemachten Fehler, um Verzeihung zu bitten. - Sie verwechseln Selbstbewusstsein nicht mit Arroganz.
Selbstbewussten Fotografen ist es völlig klar, dass sie nicht das Zentrum des Universums sind und sich nicht alles, um sie und ihre Belange dreht. Sie wissen, dass nicht ständig alles gelingen kann. Wer selbstbewusst ist, hat das nötige Wissen, um unerwartete Probleme, Herausforderungen und Aufgaben, in aller Ruhe zu begegnen und verfällt nicht in eine unkontrollierte Panik. Er bleibt ruhig, freundlich und gefasst, auch wenn es mal nicht so läuft wie gewünscht. Er ist mit sich im Reinen und muss sich und dieser Welt nichts mehr beweisen. Er kennt auch keinen nachvollziehbaren Grund, weshalb er sich über andere stellen sollte, um sie zu verurteilen oder schlecht zu behandeln oder sich als besonders tüchtiger „Ordnungshüter der Fotografie“ aufzuspielen und zu beweisen. - Sie beschäftigen sich nicht zwanghaft mit der Meinung, der Kritik oder dem Leben anderer Fotografen
Es existieren mehr als 8 Mrd. Menschen auf dieser Erde.
Es bedeutet:
- Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendein anderer Mensch etwas zum Kritisieren findet ist sehr hoch.
- Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass sie mehr als genug Fotografen finden, welche erfolgreicher, billiger, schneller oder besser sind als du selbst.
Dies ist ein Fakt und wir könne ihn niemals ändern!
Deshalb machen nicht selbstbewusste Fotografen so unabhängig wie nur irgend möglich. Denn sie wissen, dass Abhängigkeiten zu Freunden, Kritikern, Kunden und Familie in Unfreiheit führen. Denn alles was ihnen durch Dritte gegeben oder bestätigt wird, kann ihnen auch leicht wieder genommen werden. Sei es das Talent, der Fame, die Seriosität oder einfach nur die Bewunderung. Selbstbewusste Fotografen findest du also eher bei den Underdogs, den Außenseitern, den Exzentrikern und sogenannten Spinnern, weil sie sich nicht oder nur sehr schwer kontrollieren lassen. Denn man ist nicht in der Lage ihnen ihr Selbstbewusstsein zu nehmen. Dies macht sie nicht besonders beliebt in einer Gesellschaft, welche eher Konformität und Herdenverhalten fördert. Genau hier liegt jedoch ihr Alleinstellungsmerkmal. Genau, dies macht den selbstbewussten Fotografen letztlich aus.
Auf diese Weise erhalten selbstbewusste Fotografen folgende Superkräfte:- Sie fokussieren auf ihre eigenen Talente, denn sie wissen was sie wirklich können.
- Sie fokussieren auf ihren eignen Willen und bestimmen somit, was sie erlernen wollen.
- Sie fokussieren auf ihren eigenen Einsatz und bestimmen so, wie gut sie in Zukunft etwas beherrschen.
- Sie fokussieren auf das was wirklich zählt: IHR SELBSTBEWUSSTSEIN.
Sie leben im Hier und Jetzt. Sie haben das Wissen und die Erfahrung, wie ihr Selbstbewusst sein nicht weiter beschädigt werden kann. Hier liegt auch der Grund weshalb sich selbstbewusste Fotografen sehr schwer damit tun, wenn sie sich mit anderen vergleichen sollen. Sie haben allerding keine Probleme sich selbst mit sich selbst zu vergleichen. Für einen selbstbewussten Fotografen sind folgende Fragen interessant:- Habe ich mich weiterentwickelt?
- Bin ich weiter als vor 5 Jahren?
- Bin ich ein wenig erfahrener, gelassener und milder in meiner Urteilsbildung geworden?
- Bin ich ein Vorbild für andere?
- Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass sie mehr als genug Fotografen finden, welche erfolgreicher, billiger, schneller oder besser sind als du selbst.
- Sie geben nicht zu früh auf!
Selbstbewusste Fotografen glauben nicht an das schnelle Geld und den schnellen Erfolg. Sie probieren allerhand aus und stehen furchtlos alle möglichen schwierigen Zeiten durch. Denn sie wissen bereits, dass das Leben auch sehr harte Zeiten bereithält. Sie haben keine Probleme damit auf den samtig, weichen, leichten und schnellen Weg zu verzichten, den der durchschnittliche Fotograf allzu gerne einschlägt. Sie haben nämlich verstanden, dass wirklich alles zum Leben dazugehört das Hinfallen genauso wie das Aufstehen, das Kämpfen und das Weitermachen, um beim nächsten Mal mit neuen Erfahrungen wieder anzutreten. Selbstbewusste Fotografen verlieren sich in Problemen, sie fokussieren auf die Lösungen. - Sie sind nicht auf die Bestätigung durch Dritte angewiesen!
Wir alle wünschen uns unentwegt mehr Lob, mehr Bestätigung, mehr geworfene Blumen, mehr Anerkennung, für unseren Einsatz im Leben. Nicht selten bleibt dies jedoch aus und es macht einen vermeidlich unglücklich. Der selbstbewusste Fotograf hat gelernt, dass er sich selbst darum kümmern muss, dass es ihm gut geht. Er hat erkannt, dass er selbstverantwortlich dafür ist, dass es ihm gut geht, dass er zufrieden ist und ob er neuen Mut schöpft. Solange ein Fotograf nicht selbst dafür sorgen kann, ist er abhängig. Abhängigkeit ist der finale Todesstoß für das Selbstbewusstsein. - Sie verschieben wichtige Dinge nicht auf nächste Woche!
Auf den richtigen Zeitpunkt haben wir alle schon des Öfteren gewartet. Letztlich kann man sehr lange auf ihn warten, denn er tritt niemals ein.
Eigentlich sollte es schon lange losgehen! Doch irgendwelche dicken fetten Befürchtungen und Ängste versperren den Weg. Genährt wurden sie aus entstandenen Selbstzweifeln, welche ein toxisches Umfeld erfolgreich gepflanzt hat. Eigentlich sollte alles von Anfang an perfekt laufen, keine Fehler oder Abweichungen sind erlaubt, denn sie hätten fürchterlich unprofessionell aussehen können. DAS IST ALLES QUATSCH!
Der kleinste und vorsichtigste schritt, den du heute machst, ist besser als der Katapultstart nächste Woche. Ganz ehrlich, der Katapultstart wird eh wieder wegen des Wetters und der Landung, um eine Woche verschoben.
Nur das in die Handlung kommen, das Machen und Tun stärkt unser Selbstbewusst sein. Es ist also kein großes Wunder das Toxiker genau hier ansetzen, um dich effektiv abzuwürgen. - Sie verbiegen sich nicht!
Selbstbewusste Fotografen sind dennoch in der Lage ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Sie machen es beiläufig und zwischendurch, doch niemals auf Dauer. Denn selbstbewusste Fotografen haben verstanden, dass es sonst ihr Rückgrat bricht und auf diese Weise ihr Selbstbewusstsein verlieren. Deshalb hat der selbstbewusste Fotograf keine Ambitionen es allen gleichermaßen rechtzumachen. Er vermeidet keine Konflikte, er weigert sich unerhörte oder nicht zu erreichende Erwartungen zu erfüllen. Selbstbewusste Fotografen wollen nicht, um jeden Preis bei allen beliebt sein. Ihnen ist es wichtig, dass sie authentisch sind. Hierfür horchen sie von Zeit zu Zeit in sich hinein und stellen sich folgende Fragen:- Was ist stimmig für mich?
- Tut es mir wirklich gut?
- Was ist mein Benefit?
- Sie glauben nicht alles und ungeprüft, was ihnen herangetragen wird!
Nur weil ein Rene, ein David oder eine Sarah in ihrer „Fortnite-Chatgruppe“, irgendein Oleg und sein Kumpel im Straßenkiosk, ein Sandwich-Artist in einer Fast-Food-Kette irgendetwas anderes gelesen, gehört und verbreitet haben, was „echte“, „wahre“ und erfolgreiche Fotografie tatsächlich sei, entspricht es noch lange nicht der Wahrheit. Fakt ist, dass all diese Heuler nicht die geringste Ahnung von Fotografie haben. Denn sie interessieren sich nicht mal für die Fotografie. Sie wünschen nur, dass der Fotograf mit seinem Scheiß aufhört und mindestens genauso unglücklich wird. Ein selbstbewusster Fotograf nimmt niemals einen Ratschlag von Menschen an, um dessen Ratschläge er nicht gebeten hat. Solange die vermeidlichen Ratgeber keine Ausbildung, kein Studium oder irgendeine andere Form einer fotografischen Ausbildung vorweisen können, sind es und bleiben es ahnungslose Fachidioten mit „Dunning-Kruger-Effekt“. Das Schlimme ist, sie bemerken es nicht mal. Deshalb bringt es nichts auf diese Idioten zuhören. Selbstbewusste Fotografen schlucken und glauben nicht alle Geschichten ungeprüft. Sie prüfen die gemachten und herangetragenen Aussagen und hören auf das was ihr eigenes Herz und ihr eigener Verstand sagen. Dies ermöglicht dem selbstbewussten Fotografen sogar die Möglichkeit, sich einen echten Rat beim Rechtsanwalt, bei einem anderen richtigen Fotografen oder einem Berufsverband einzuholen. Jedoch hören selbstbewusste Fotografen nicht auch die Spinner in einem Zeitungskiosk, einer Chatgruppe oder ihre Oma, wenn es um das Geschäft geht.


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