Liebe Freunde der schöneren Fotografie,
die Zielgruppe „Alle“ ist, die schlechteste Zielgruppe, welche du haben kannst.
Wie konnten ich mich nur so täuschen lassen? Wie kann ein Kunde nur so sein? Was habe ich bloß getan, um an solch einen Kunden zu geraten?
Na…? Sind dir diese Fragen völlig unbekannt? Dann kannst du getrost aufhören zu lesen.
Es ist wahrscheinlicher, dass du diese Gedanken nur allzu gut kennt.
Nicht zu selten passiert folgendes:
Du erhältst eine „Anfrage“ von einem „guten“ Freund. DU wurdest ausgewählt, weil du so talentiert, seriös und professionell bist. Es erfüllt einen mit wahrer Freude, wenn man dich mit deiner Kamera hantieren sieht, denn so stellt man sich einen richtigen Fotografen vor. Wer soviel Honig um den Bauchnabel geschmiert bekommt, wird leicht unvorsichtig und unvernünftig. Was soll auch passieren, es handelt sich um einen „guten“ Freund. Du erfragst daraufhin, was zu tun sei und erhältst prompt als Antwort: „Hochzeitsreportage, Brautkleidshooting, Standesamt, Feierlichkeiten, Gruppenportraits, Brautpaarshooting. Verpflegung und Getränke werden durch uns bezahlt. Es ist ein ganz besonderer Tag und wir möchten nur den besten Fotografen engarieren!“
Darauf hin nennst du deinen Preis und freust dich anschließend auf einen Auftrag von einem „guten“ Freund.
So einfach ist es zu 99% aller Fälle dann doch nicht!
Phase 1
Dein „guter“ Freund ist leicht verwundert über diesen ominösen Preis. Dies hätte man so nicht erwartet, außerdem sind wir doch „Freunde“! Hinzukommt, dass dich dein Freund darauf hinweist, dass wenn er tatsächlich so viel bezahlen soll, dann wäre er gezwungen einen anderen Fotografen zu buchen. Denn du bist das verlangte Geld nicht nachvollziehbar wert.
Phase 2
Selbstverständlich kommt es zu Diskussionen, Debatten oder mit anderen Worten zu einem Dialog. Doch dieser Dialog wird nicht durch dich mitbestimmt, denn deine Belange sind nicht von so einer Bedeutung und haben weitaus weniger Gewicht, als die Gründe des „guten“ Freundes. Dein „guter“ Freund bombadiert dich regelrecht mit suggestiven Fragen.
Hier drei Beispiele:
- Das müsste doch ein Freundschaftsrabat drin sein oder liegt dir nichts an unserer Freundschaft?
- Unter Freunden müssen wir doch gar nicht über den Preis sprechen oder streiten, willst du wirklich, dass wir keinen Hochtzeitsfotografen buchen können?
- Du möchtest doch, dass wir „gratis“ Werbung für dich machen, weil wir mit dir zufrieden sind?
Im übrigen Enden diese Dialoge zu 100% immer mit der Nennung des gewünschten Preises deines „guten“ Freundes.
Phase 3
Der genannte Preis deines „guten“ Freundes wird so unterirdisch sein, dass du um Fassung ringen musst. Es wird ein Preis sein, der es dir sehr schwer macht deine Selbstachtung, deine Würde, dein Glauben an diese Freundschaft und ihre Aufrichtigkeit weiterhin aufrechtzuhalten.
Solltest du jetzt nachgeben oder hart bleiben?
Bedenke, alles was du bisher von deinem „guten“ Freund erfahren hast ist, dass du und deine Arbeit als Fotograf weniger Wert ist als der Dreck unter deinem Fingernagel.
Das Universum müsste für dich und deine Dummheit eine neue Dimension erschaffen, solltest du einwilligen.
Phase 4
Du erfährst während du dich auf dem höchst lukrativen, freundschaftlichen Hochtzeitsshooting befindest, was die ganze Hochzeit gekostet hat. Ganz nebenbei erfährst du sogar, dass das Brautpaar direkt nach den Feierlichkeiten für 4 Wochen auf eine romantische Insel fährt, um dort die Flitterwochen zu begehen. Spätestens jetzt solltest du bemerken, dass du mit deinem Hungerlohn die Flitterwochen des Brautpaares subventionierst, aber was solls. Du kannst dich ja an der Bar frei bedienen und zu essen hast du auch. Es ist der Augenblick, an dem man dazu neigt den exorbitanten Preisnachlass tatsächlich in irgendeiner Form zu verzehren. Aber, da war noch was! Du bist ja als Fotograf gebucht worden und sollst den wundervollen Abend dokumentieren.
Manipulative Kunden richten großen Schaden an!
Wir bemerken sie oft viel zu spät, da sie immer erst sehr galant, charmant, freundlich, nett und liebenswürdig sind. Als Fotograf wird dir erst im Nachhinein klar, dass wir nur Mittel zum Zweck waren. Spätestens wenn die Arbeiten ausgeliefert werden beginnt erst der richtige Kampf. Dann geht es um das Bezahlen.
Wenn wir jedoch ehrlich zu uns selbst sind, dann hatten wir schon wesentlich früher ein ungutes Gefühl. Es schwebte irgendetwas nicht konkret fassbares unschönes in der Luft. „Ach was solls!“ heißt es dann oftmals. Wir wollen, möchten und können nicht alles dramatisieren und eskalieren lassen. Deswegen wurden diese unguten Gefühle und Gedanken auch unter den Tisch gekehrt.
Bis es zu spät ist!
Manipulative Kunden sind Meister darin ihre wahren Absichten, Wünsche und Ziele vor dir zu verbergen.
Geäußerte Bedenken oder Nachfragen deinerseits bzgl. ihrer Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen werden von manipulativen Kunden grundsätzlich so verdreht, dass ein schlechtes Gewissen oder gar ein Selbstzweifel entstehen. Einige dieser manipulativen Kunden sind so erfolgreich mit ihrer Methode, dass sie es selbst gar nicht mehr bemerken. Es ist jedoch auch so, dass wir nicht jedem manipulativen Kunden die pure Böswilligkeit vorwerfen oder unterstellen können.
Dennoch sollten wir dir einige der Verhaltensweisen kennen, die auf manipulative Kunden hinweisen, damit wir ihnen nicht weiter auf den Leim gehen. Denn wer sich auf Grund einer falschen Zielgruppe unbeabsichtigt auf zu viele manipulative Kunden eingelassen hat geht zwangsläufig pleite.
- Sie sind niemals für etwas verantwortlich!
Manipulative Kunden haben große Probleme ihre eigenen Fehler einzusehen, einzugestehen und Verantwortung zu übernehmen. Selbst wenn du als Fotograf deinen Teil der Verantwortung übernimmst, ist es für einen manipulativen Kunden nicht möglich seinen Teil der Verantwortung zu erkennen und ihn einzugestehen. Sie reden sich dann gerne aus der Verantwortung raus mit solchen Sätzen wie:
- Ich konnte gar nicht anders!
- Ich kann nichts dafür!
- Ich bin gar nicht Ursache des Problems, sondern das Opfer!
- Ich möchte, dass du fotografierst, denn der andere Fotograf ist ein gieriges Monster, er hat mich quasi gezwungen dich zu engagieren. Denn ich möchte nicht das Leben anderer finanzieren, dafür bin ich nicht verantwortlich.
- Natürlich könnte ich dich besser bezahlen, wenn nicht all diese Blutsauger und Fixkosten wären.
- Selbstverständlich gibt es keine Probleme! Du musst nur so fotografieren, wie ich es will!
Sie zeichnen sich durch einen Mangel an Interesse und Verständnis für ihr Gegenüber aus. Schließlich sind es die manipulativen Kunden, welche sich durch ihren besonderes hell leuchtenden Schein, ihre besondere Stellung in der Gesellschaft sowie ihr besondere Bekanntheit DIR eine einmalige, niemals wiederkehrende und lukrative Chance offerieren. Ob du allerdings die Chance wirklich und wahrhaftig genutzt hast, wird sich erst festellenlassen, wenn du geliefert hast. Wenn alles zufriedenstellen ist, macht der manipulative Kunde auch sehr gerne Werbung für dich und weil er selbst so berühmt ist und ausschließlich berühmte und wichtige Persönlichkeiten und Kontakte hat, wird es sich für dich lohnen, wenn du jetzt einfach mal nur klein bei gibt’s.
Der Rest ist Geschichte!
- Manipulative Kunden respektieren keine deiner Grenzen!
„Hallo! Kannst du mal kurz? Wäre nett, wenn du schnell antwortest!“
Sind oft gesprochene Sätze eines manipulativen Kunden. Ganz nebenbei bezeichnen sie sich auch gerne als deinen besonderen Freund. Die Krux an der Sache ist, dass sich dein besonderer Freund nur dann bei dir meldet, wenn er etwas von dir will. Solltest du mal in Schwierigkeiten stecken und Hilfe benötigen, dann ist immer irgendetwas der Hund, der Hamster, das Wetter, Rücken, Kopf, Couch oder die neue Freundin, um dir nicht zur Seite stehen zu müssen. Es kann gut sein, dass sich dein sogenannter besonderer Freund viele Monate nicht bei dir meldet. Solltest du jedoch eine Anfrage als Fotograf durch ihn nicht innerhalb von 5 Minuten beantwortet haben, kann es gut sein, dass du eine Staatskrise auslöst. Denn wenn ein manipulativer Kunde etwas von dir will, dann grundsätzlich sofort und umgehend. Es spielt keine Rolle, ob sich das Auftragsvolumen im Bereich der Lächerlichkeit bewegt, ob du im Krankenhaus liegst oder gerade bei der Dialyse bist.
Dir Raum geben, dir Zeit lassen, offene Fragen klären, um ein nachvollziehbares Angebot zu schreiben.
Klingt nach einem tollen Konzept! Jedoch nur so lange ein manipulativer Kunde nichts von dir will! Am besten ist es, wenn er auch sonst nichts mit dir Anfangen kann, dann hast du nämlich deine Ruhe. - Manipulative Kunden nutzen deine Gutmütigkeit aus!
Hierbei haben sie überhaupt keine Skrupel. Vermutlich kennen sie das Wort gar nicht. Denn wenn ein Fotograf nicht mehr bereit ist ihre Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen ohne Murren und Knurren zu erfüllen, dann gehen sie mit diesen abtrünnigen und degoutanten Fotografen sofort in ein sehr hartes Gericht, um ihn umgehend als selbstsüchtig, geltungsbedürftig, egoistisch und gierig zu bezeichnen. Manipulative Kunden machen es sich gerne sehr leicht und konzentrieren sich deshalb auf die unerfahrenen, gutmütigen, naiven Fotografen, welche noch große Probleme haben ihren Selbstwert selbst zu definieren. Das unerfahrene Objekt der Begierde, der ambitionierte Fotograf, ist für einen manipulativen Kunden eine leichte Beute. Denn der ernsthafte Mangel an seriösen Kunden lassen den neuen Fotografen schnell verzweifeln. So geschieht es, dass ein „Kunde“ auftaucht, welcher den neuen Fotografen quasi mit Lob, Anerkennung und Missverständnis mit Bezug auf die nicht Entdeckung des immensen Talentes förmlich überschüttet. Ganz perfide Manipulationen finden statt, wenn es dem „Kunden“ gelingt, den jungen, unterschätzen und talentierten Fotografen davon zu überzeugen, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen „Kunden“ handelt. Denn dieser besondere „Kunde“ spricht von außergewöhnlichen Kontakten, Möglichkeiten und Visionen. Der neue Fotograf soll sich geschmeichelt fühlen, dass eine „Kunde“ mit dieser immensen Position sich liebevoll, um den Neuling kümmert. Man wird bei den Treffen mit diesen besonderen „Kunden“ förmlich dusselig gelabert und unter Komplimenten fast erstickt. Das gefährliche an dieser Situation ist, dass diese so gar nicht gefährlich aussieht. Denn der neue Fotograf fühlt sich erstmals seit langer Zeit gesehen und erkannt und anerkannt. Endlich erhält dieser die Möglichkeit zu zeigen, was er kann und wer man ist. Der Fotograf erkennt jedoch nicht, dass er nur durch mithilfe eines manipulativen Kunden auf ein sehr hohes Podest erhoben wurde. Man fühlt sich gut, das Selbstvertrauen expandiert und erfreut sich an den ersten kleinen Erfolgen. Doch in der Nahe des vermeidlichen Gipfels, wird es zu einer Überraschung kommen. Denn spätestens jetzt wird er manipulative Kunde an dich herantreten und eine sehr freche und völlig überzogene Gegenleistung von dir fordern. Schließlich bist du nur mit Hilfe dieses Kunden auf diesen Gipfel gekommen, dafür ist jetzt ein wenig Dankbarkeit und Demut fällig. Andernfalls verflüchtigen sich Freundlichkeit und Gutmütigkeit sehr schnell und ein Sturm wird durch den manipulativen Kunden angekündigt. Deshalb willigt der neue, ambitionierte Fotograf gerne ein und macht in Zukunft genau das was der manipulative Kunde von ihm verlangt. Von nun an ist der neue Fotograf ein weiterer Sklave des manipulativen Kunden und er wird mit dir machen was er will, wann er es will. - Manipulative Kunden reden respektlos über andere Fotografen
Eine der sichersten Merkmale, die manipulative Kunden haben ist ihre Respektlosigkeit gegenüber anderen Fotografen, mit denen sie in Vergangenheit zusammengearbeitet haben. Du wirst hier die volle Bandbreite erleben, dass geht los beim Lästern und Runtermachen und geht ohne weiteres bis zur Verbreitung von Lügen, Desinformation und Diffamierungen. Manipulative Kunden unternehmen wirklich alles, um sich selbst ins rechte Licht zu setzen. Besonders leicht fällt es ihnen, wenn der Betroffene nicht anwesend ist. Manipulative Kunden sind sehr gut darin einen „guten“ ersten Eindruck zu hinterlassen. Dennoch ist es gar nicht schlecht, sich bei dem vorherigen Fotografen zu erkundigen. Solltest du deinen Kunden auf die Möglichkeit der Rücksprache mit dem vorherigen Fotografen ansprechen und er wird nervös, ungehalten und argwöhnisch, hast du mit sehr großer Wahrscheinlichkeit einen manipulativen Kunden an der Hand. Denn viele der Behauptungen des manipulativen Kunden werden keinen Halt finden und bewegen sich eher in Richtung Verleumdung. Es mag sein, dass an den Behauptungen etwas dran ist, doch bevor du dir etwas anhängen lässt. Ist es ratsam einen Blick dafür zu schärfen und sehr genau zu beobachten, wie ein neuer Kunde über seinen vorherigen Fotografen spricht. Denn ein manipulativer Kunde wird über dich genauso sprechen, wenn er mit dir fertig ist. Auch wenn es im ersten Augenblick anders aussehen mag, der manipulative Kunde, wird bei dir keine Ausnahme machen und vor gerade vor dir haltmachen. - Manipulative Kunden sagen das Eine- und Tun das Andere
- „Ich bezahle dich und deine Fotografien, wenn ich erstmal…“
- „Du musst als Fotograf erst einen ganz bestimmten Namen haben, um…“
Den Rest können wir uns sparen!
Denn:
- Du und deine Fotografien werden niemals dafür verantwortlich gemacht werden, dass ein manipulativer Kunde irgendetwas erreicht hat.
- Du wirst niemals den Grad des „ganz bestimmten Namens“ als Fotograf in dem Maße erreichen, dass ein manipulativer Kunde davon überzeugt ist.
Wenn ich eines gelernt habe, dann folgendes:
„Wörter sind genauso geduldig wie Papier!“
Alles was dein Gegenüber benötigt ist ein funktionierendes Sprachzentrum. Denn damit ist es sehr leicht möglich die wildesten Realitäten zu erschaffen.
Wir alle reden mal Blödsinn aus Langeweile oder weil wir spielen. Doch was ein manipulativer Kunde tatsächlich macht, ist das entscheidende. Ist es das, was dir weiterhilft, dich unterstützt und auf lange Sicht glücklich macht? Ist es etwas was dir wirklich wichtig ist oder ist es etwas, dass dich in Schwierigkeiten bringt und verletzt?
Wenn gesagtes immer nur ein Luftschloss, eine Option, eine Möglichkeit oder Blödelei bleibt und rein gar nichts mit der aktuellen Situation und Handlung zu tun hat, dann solltest du mehr als vorsichtig werden.
Es existiert kein Patenrezept
Wir können uns nicht vollends vor manipulativen Kunden schützen. Wir können jedoch wesentlich achtsamer und sorgsamer mit uns selbst umgehen, wenn wir mal wieder auf solche „Kunden“ reinfallen. Dies macht uns nicht zu einem dummen, tapsigen und naiven Fotografen, der es nicht anders verdient hat.
Alles was du tun musst, ist eine anständige Zielgruppe zu definieren.
Obwohl ich selbst mehr als genug Erfahrungen mit solchen „Kunden“ gemacht habe. Einige dieser Erfahrungen fühlen sich heute noch so bitter an, dass ich sehr genau sagen kann, mit wem ich nicht mehr zusammenarbeiten werde. Dennoch bin ich guter Dinge. Mein Herz gehört der Fotografie. Die Fotografie gehört in die Welt (nicht unbedingt in Schwerin), aber es existieren wesentlich schönere Orte als Schwerin. Denn Schwerin ist nicht die Welt!


Gut geschrieben und ich habe mich tatsächlich ein paar mal wieder gefunden… leider! Aber das ist Gott sei Dank vorbei! Mich würde nur mal interessieren, was machst Du wenn Dein Kunde/bester Freund Deinen geforderten Preis nicht zahlen will? Knallhart Nein sagen? Ich hab’s schon zweimal gemacht – wohl war mir dabei aber auch nicht. Ist schon eine Krux mit solchen Freunden… Sei lieb gegrüßt, Reinhard
LikeLike
Ich sage knallhart „Nein!“…
Wenn der Freund verstimmt reagiert, wird relativ schnell die freundschaftliche Beziehung genau untersucht. Denn echte Freunde akzeptieren ein „Nein!“.
LikeLike