Kapitel 2: Die Kreativität breitet sich aus

Mit dem Tod von Ludwig und dem Siegeszugs der Aufklärung wurde der Kreativität die Türen zum „normalen“ Bürger geöffnet. Der technische Fortschritt und die erstmals auf breite Masse aufkeimende Diskussionskultur rund um das Thema Kunst und Kreativität brachten neue Anreize. Hinzu kam die Interaktion zwischen den bereits etablierten Kunstansichten. Im Laufe der Zeit entwickelten sich so eine Kunstgattung nach der anderen.

Der technische Fortschritt brachte neue Möglichkeiten. So, dass Mitte des 19. Jahrhunderts zwei Franzosen unsere Aufmerksamkeit verdient haben. Richtig gelesen! Wir verbleiben noch ein bisschen im Frankreich. Joseph Nicèphore Nièpce und Louis Daquerre, der eine ist Erfindert und der andere Maler. befassten sich mit der dauerhaften Fixierung von „Lichtbildern“, da dieses bisher nur flüchtig oder gar nicht funktionierte. Erst jeder für sich und dann in Form eines sehr aktiven Briefwechsels gingen sie diese Thema an. Nièpce gelang 1826 nach mehreren aufwendigen aber erfolglosen Versuchen das vermutlich erste lichtbeständige Foto der Welt:

Ein Bild aus den Fenster seines Arbeitszimmer in Le Gras. Mit den Maßen 16,5 cm x 21 cm und einer Belichtungszeit von acht Stunden.

1833 starb Nièpce ohne, dass ihm die wirtschaftliche Verwertung seiner Erfindung gelungen ist. Jedoch legte er mit seinem Verfahren die Grundsteine für die weiteren Entwicklungen die sein Freund Daquerre zusammen mit dem Cousin von Nièpce fortführten. 1839 gelang den beiden die Daquerrotypie marktreif und wirtschaftlich war. Sie war so erfolgsversprechend und erfolgreich, dass Frankreich sich die Rechte daran kaufte und sie als Geschenk an die Welt gemeinfrei machte. Daquerre und Nièpce Cousin (in Vertrettung des verstorbenen Joseph Nicèphore Nièpce) erhielten im als Dank und Anerkennung ihrer Leistung eine lebenslange monatliche Rente.

In England befasste sich zeitgleich zu Daquerre und Nièpce Sir William Henry Fox Talbot mit dem selben Problem und ging bei seiner Lösung einen anderen Weg. Er entwarf das Prinzip des Negativ/ Positiv Verfahrens. Richtig, diesem Herren haben wir alle unentwickelten und in irgendwelchen Ecken liegenden Negativfilmrollen zu verdanken. Sein Verfahren setzte sich also im Gegensatz zur Daquerrotypie durch und hielt sich bis zum Siegeszug der digitalen Kameras. Aber bis heute findet man z. B. die Daquerreotypie und andere Verfahren im Bereich der Edeldruckverfahren.

Abseits dieser 3 Herren (die hier nur als Stellvertreter für alle Pioniere der Fotografie stehen) gab es in der Entwicklung der Kreativität viele kleine Entwicklungen, deren Durcharbeiten das Thema dieser Blogreihe verfehlen würde. Stattdessen möchte ich mit einer Aussage von Tolstoi die Brücke ins Moderne schlagen. Aber zu vor ist es mir ein Bedürfnis den jetzigen Zeitsprung zu erklären und auch ein wenig verteidigen:
Ich überspringe bewusst die Kunst und Kreativität in moderneren Diktaturen wie in Deutschland der Nazizeit, der DDR oder sonstigen Diktaturen. Diese System richten sich nach den Grundprinzipien, die schon Ludwig in Frankreich genutzt hat oder die christliche Kirche zuvor. Lediglich die Ausuferungen und Perversionen der Kunst und Kreativität variieren. Wer jedoch Lust mehr dazu lesen möchte, darf sich gerne an Fachliteratur und sonstiges weiterempfohlen fühlen.

Also kommen wir zu Tolstoi und seiner Aussage. Er spekulierte, darüber was passiert, wenn Kunst nicht mehr elitär und sperrig wäre sondern in Form und Inhalt so verfasst wäre, dass sie „universell“ und von der „Gesamtheit der Menschen“ erfass- und aufnehmbar wäre. Es wäre eine Kunst die nicht länger auf aufwendig produzierten Werken basiert sondern durch ihre „Klarheit, Einfachheit und Nüchternheit“ hervortut. Hier durch sollen bisher verborgene Talente und Fähigkeiten hervortreten, die durch die bisher sperrige und elitäre Form der Kunst verborgen blieben! Tolstoi lebte bis 1910 und beschrieb zu seinen Lebzeiten schon eine massentaugliche Kunst. Herzlich willkommen im 20. Jahrhundert.

Mit freundlichsten Grüßen