Kapitel 2: Die Kreativität breitet sich aus Teil 4

Die Neudefinition der Kreativität

Wenn Kreativität nun also zu einer gesellschaftlichen bzw. kulturellen Norm geworden ist und zu etwas geworden ist was angeleitet werden kann müssen wir umdenken. Die Kreativität wurde nicht demokratisiert! Wie denn auch, wenn jeder von uns kreativ und ein Künstler ist! Viel mehr wurde der Anspruch bzw. das Recht auf kreative Verwirklichung demokratisiert. Der Zugang zur Kreativität steht nun für jeden offen. Egal aus welcher sozialer Schicht er kommt. Nun kann jeder das Recht auf kreative Selbstverwirklichung wahrnehmen. Eine selektive Zuweisung auf den Anspruch kreativ zu sein gibt es nicht mehr. Der Kreativtätsdispositiv begrüßt diese Entwicklung sogar, denn Rechte und Ansprüche sind dazu da, dass man sie auch nutzt und dies umso mehr, wenn es andere auch tun.

Er hat den Einzug in unseren Alltag bereits geschafft und wir haben uns daran gewöhnt. Wer wirklich was auf sich hält zieht in das beliebte Szeneviertel seiner Stadt und in der Wohnung begrüßen Alex, Björn und Mads auf dem Katalog eines gewissen schwedischen Möbelhauses. Weil man ja doch schon irgendwie lebt und nicht nur wohnt. Und natürlich hat man das neuste Apfelfon, damit man auch jede kleine Erinnerung in 8K aufnehmen und wieder geben kann. Oder sind euch eure Erinnerungen kein 8K Wert?

Das Spielchen der Werbung kennen wir alle und unterm Strich nutzt die Werbung nichts anderes als den Kreativitätsdispositiv und unseren Wunsch nach Selbstverwirklichung. Und natürlich haben wir alle Das Auto! und Freude am Fahren, denn nichts ist unmöglich.

Die Konsequenz dieser massiven Nutzung des Kreativitätsdispositiv ist, dass ein Leben ohne Kreativität für uns so unausgefüllt und defizitär wäre wie ein Leben ohne Beruf, Geld, Sex und soziale Zugehörigkeit. Somit ist der Wandelt der Kreativität von einer Eigenschaft/Fähigkeit zu einer kulturellen und sozialen Norm mit Vorteilen und Pflichten perfekt abgeschlossen. Die Vorteile, die uns der Kreativitätsdispositiv verspricht sind unter anderem Anerkennung, eine Vorbildrolle und Aufmerksamkeit. Die Pflichten aber nehmen wir kaum noch wahr, Pflichten wie noch kreativer wie andere sein, Übertreffen der bisherigen eigenen kreativen Leistungen und das Einhalten eines Minimums ans Kreativität.

Nicht kreativ sein zu sein bedeutet heute das Selbe wie der Verzicht auf die Wahrnehmung der eigenen Rechte oder der direkte Ausstieg aus unseren modernen sozialen und kulturellen System!

Mit freundlichsten Grüßen