Das bisherige Ende der Entwicklung
Die Kreativität hat innerhalb von 2 Generationen den Charakter einer sozialen und kulturellen Verpflichtung entwickelt. Deren Einhaltung und Wahrnehmung unabdingbar für ein modernes Leben ist. Was als Demokratisierung des Rechtes auf Kreativität begann bringt nun neue Sorgen und Unsicherheiten mit sich.
Denn es ist nun möglich dieser Norm bzw. Verpflichtung nicht zu genügen, zu versagen und Angst davor zu haben, dass die eigenen kreativen Fähigkeiten nicht für das Verlangte ausreichen und man somit ins soziale und kulturelle „Aus“ rutscht. Man könnte auch von einer Vorherrschaft des totalen kreativen Imperatives reden.
Denn mit dem Kreativitätsdispositiv tauchte auch der Kreativitätsimperativ auf. Aus der Aufforderung „Sei kreativ!“ wurde die aggressive und provozierende Unterstellung „Du bist nicht kreativ genug!“. Da wir trotz des kreativen Imperatives immer noch im Konstrukt des Kreativitätsdispositiv befinden, haben wir es daher mit einem direkt Angriff auf persönlicher und privater Ebene zu tun. Es wird ein sozialer und kultureller Mangel unterstellt, der im Zusammenspiel den affektiven und emotionalen Aspekten des Kreativitätsimperatives vom Aufgeforderten wie ein Urteil aufgenommen wird. Und es bedarf mehr als nur einer gemütlichen Shoppingtour um dieses Urteil zu ändern.
Besonders oft wird der Kreativitätsimperativ in der Arbeitswelt als „Peitsche“ für Highperformer genommen. Sobald man die geforderten Ziele erreicht hat wird nicht etwa das Beibehalten der erreichten Werte gefordert sondern noch eine Schippe oben rauf gepackt und suggeriert, dass man dies doch locker schafft außer man ist nicht kreativ genug um seine eigene Leistung zu überbieten.
Natürlich greift der Kreativitätsimperativ nicht nur in der Arbeitswelt. Genauso wie der Kreativitätsdispositiv ist er in unserer Gesellschaft fest verankert. Die Kreativität hat ihren Wandel von einer göttlichen Gabe hin zu einem modernen Urteil vollzogen. Zu einem Urteil dem wir uns alle mal mehr mal weniger freiwillig unterstellen.
Mit freundlichsten Grüßen

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